Wachtposten Wp10/15

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Der rekonstruierte Turm im Bau, Sommer 2010
Blick vom Turm auf den original Holzturmhügel
Blick aus dem 2 OG des Wachturms nach Osten


Wachtposten Wp10/15 "Im Oberen Haspel" ist eine römische Turmstelle am Odenwaldlimes nahe des Segelfluggeländes Vielbrunn direkt an der Landestraße L3349, welche größtenteils parallel zum Limes verläuft. Es handelt sich um den Standort des 15. Wachturms (gezählt von Norden nach Süden) der Odenwaldstrecke welche die ORL Nummer 10 trägt. Oberirdisch ist heute nur noch der Standort des Holzturms sichtbar, die Steinturmreste wurden beim Bau der Landstraße im 19. Jhdt. abgetragen. Der den Holzturmhügel umlaufende Graben wird bereits teilweise von der L3349 überschnitten. Ein ehemals zweiter Holzturmhügel, nördlich des heute Sichtbaren, ist vollständig verschwunden.

Im Jahr 2010 wurde wenige Meter neben dem original Holzturmhügel ein rekonstruierter Römischer Wachturm von der Stadt Michelstadt errichtet. Dieser kann an Sonn- und Feiertagen sowie zu besonderen Anlässen besichtigt werden. Ebenso wurde vor dem Wachtposten ein Stück der Limespalisade wieder aufgebaut. Gleiches gilt für die benachbarten Turmstelle Wp 10/16 "Bei Vielbrunn", welche zuvor lokalisiert und im Gelände markiert wurde und vom Turm aus sichtbar ist. Finanziert wurde das Vorhaben primär durch Fördergelder der Europäischen Union und des Landes Hessen.

Rekonstruktion[Bearbeiten]

Vor dem Bau des rekonstruierten Turms wurde das Gelände zunächst mittels Geomagnetik untersucht, um sicherzustellen das dadurch keine archäologische Substanz beschädigt würde.

Bei dem Turm handelt es sich um einen quadratischen Pfostenbau mit drei Stockwerken. Die Seitenlängen und der angedeutete Unterbau entsprechen dabei den typischen Befunden untersuchter Holzturmstellen des Odenwaldlimes. Ebenso wurde die Höhe aus der Anforderung an ein ununterbrochenes Sichtfeld über eine Anhöhe zwischen den Wp 10/8 und 10/9 hinweg abgeleitet.

Das äußere Erscheinungsbild entspricht weitgehend dem aktuellen Stand der Forschung, anstelle des massiven Sockels aus Balkengerüst und Trockenmauerwerk ist jedoch ein, nicht historisches, begehbares Erdgeschoß geschaffen worden. Dort befindet sich ein ebenerdiger Eingang durch den Besucher ins Innere, und dort über eine, ebenso nicht dem Original entsprechende Treppe, nach Oben gelangen können. Beides ist dem Wunsch geschuldet ein zu besichtigendes Bauwerk zu schaffen und modernen Anforderungen an Sicherheit und Bequemlichkeit Rechnung zu tragen. Die Funktion des massiven Sockels des Originals, primär die Stabilisierung des Bauwerkes bei starker Windlast, wird durch das moderne Stahlbeton Fundament übernommen, welches gleichzeitig den Turm, anstelle eines Rundgrabens, gegen Feuchtigkeit schützt.

Die Konstruktion der beiden hölzernen Obergeschosse samt Dach wurde zeitgenössischen Abbildungen freistehender Römischer Wachtürme an der Donau auf der Trajans Säule in Rom nachempfunden. Die Bauweise, bis hin zur Dimensionierung einzelner Teile, stützt sich auf archäologische Befunde, vor allem die gut erhaltenen Reste Römischer Holzbauten die bei Ausgrabungen im nahelegen Beneficiarier Weihebezirk in Osterburken untersucht werden konnten. Da bei den Holztürmen des Odenwaldlimes kein Lehmverbund zur Füllung der Zwischenräume des Fachwerks anzunehmen ist, wurde dieses mit einer Bretterverschalung versehen. Die Fenster im zweiten Obergeschoß sind durch eine hölzernen Säule zweigeteilt. Diese ist einem, vermutlich von der Überdachung eines Brunnens stammenden, Original nachempfunden. Eine sehr ähnliche Form findet sich bei ihrem Äquivalent in der späteren Steintürmen, wie sie heute im Englischen Garten in Eulbach ausgestellt sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietwulf Baatz, Fritz-Rudolf Herrmann: "Die Römer in Hessen", 2. Auflage 2002
  • Egon Schallmayer: "Der Odenwaldlimes", 2. verb. Auflage, 2010
  • Siegbert Hutter: "Rekonstruktionen Hölzerner Limeswachtürme am Beispiel von Wp 10/15 Michelstadt-Vielbrunn und Wp 12/77 Rainau-Schwabsberg", in "Der Odenwaldlimes Neuste Forschungsergebnisse, Beiträge zum wissenschaftlichen Kolloquium am 19. März 2010 in Michelstadt", Saalburg-Schriften 8 (2012).