Schule (Weiten-Gesäß)

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Das Schulgebäude in Weiten Gesäß im Sommer 2012

Das, auf das Jahr 1847 zurückgehende Schulgebäude von Weiten-Gesäß ist ein mehrstöckiger, im Laufe seiner Geschichte vielmals erweiterter, Sandsteinbau im Zentrum des Dorfes. Es diente stets primär Unterrichts- und Betreuungszwecken, wurde im Laufe seiner Geschichte aber immer auch für sonstige Zwecke von der Gemeinde und den lokalen Vereinen genutzt. Aktuell sind dort der städtische Kindergarten und die evangelische Grundschule Weiten-Gesäß untergebracht.

Geschichte[Bearbeiten]

Schule[Bearbeiten]

Der 2007 für die Grundschule errichtete neue Nordflügel

Schulunterricht ist in Weiten-Gesäß seit 1730 nachweisbar, ab 1801 stand dafür eine speziell diesem Zweck gewidmetes Gebäude zur Verfügung, wobei es sich dabei zunächst um ein ehemaliges Wohnhaus handelte. 1847 wurde schließlich das noch heute bestehende Schulhaus in der Dorfstraße anstelle eines alten Schafstalls errichtet, zunächst noch mit nur einem Vollgeschoss und ohne Glockenturm. Letzterer wurde 1858 hinzugefügt, ein Jahr später wurde die Schule zweitklassig. Die damit verbundene Raumnot ließ eine Erweiterung des Gebäudes sinnvoll erscheinen, was allerdings erst 1893 erfolgen konnte. Damals wurde das Gebäude auf seine heutige Höhe aufgestockt, was ein finanziell für die Gemeinde nur schwer zu stemmender Kraftakt war. Im Erdgeschoss waren nun zwei Klassensäle, im Obergeschoss ebenfalls zwei Lehrerwohnungen und im Dachgeschoss Sekretariat und Bibliothek untergebracht. Mitte der 30ger Jahre wurden auf staatliche Initiative oberhalb der Schule Maulbeerbäume gepflanzt. Diese dienten als Nahrung für von den Schülern gezüchteten Seidenraupen, welche als Vorprodukt für Fallschirme später zentral gesammelt wurden. Während des 2. Weltkrieges musste ab Dezember 1944 der Schulunterricht wegen der Nutzung des Gebäudes durch die Wehrmacht vorübergehend wieder in Privatgebäuden stattfinden.

Nach Einrichtung der neuen Mittelpunktschulen in Hessen wurde die Volksschule zuerst auf eine vier Jahrgänge umfassende Grundschule zurückgestuft, 1970 schließlich ganz aufgelöst.

Die Westseite mit Treppenhaus und dem für den Kindergarten bestimmten teil des Außenanlage im Herbst 2009.

Im Spätherbst 1997 entstand die Idee im Ort wieder eine Grundschule zu etablieren, welche in der folgenden Zeit vom damaligen Gemeindepfarrer Christopher Kloß vorangetrieben wurde. Diese konnte 1999, mit der evangelischen Kirche als Träger, im von der Stadt Michelstadt zur Verfügung gestelltem alten Schulhaus eröffnet werden. Die neue Schule umfasste zunächst die Räume der oberen Etagen. Zwei Unterrichtsäle im Obergeschoss, anstelle der ehemaligen Lehrerwohnungen, sowie Lehrerzimmer und Sekretariat im Dachgeschoss. Auf der Rückseite das Gebäudes wurde für die Schüler ein separater Eingang geschaffen und dazu ein neues, zweites Treppenhaus als Stahl und Glas Konstruktion errichtet.

Um den wachsenden Raumbedarf der neuen Schule Rechnung zu tragen wurde das Schulhaus zum bisher letzten Mal deutlich erweitert. Am 15.6.2008 konnte der seit 2007 neu gebaute Nordflügel eingeweiht werden. Mit diesem belegt das Schulhaus nun, im Vergleich zum Ausgangszustand von 1847, etwa die dreifache Grundfläche. Das Treppenhaus von 1999 musste dazu abgerissen werden. Zwei Jahre später war 2009 auch der neu gestaltete Schulhof fertig, welcher jetzt beinahe die Gesamte Außenanlage um das Schulhaus umfasst.

Kindergarten[Bearbeiten]

Vier Jahre nach Auflösung der Schule 1970 wurde 1974 ein Kindergarten im ehemaligen Schulgebäude eingerichtet. Dieser nutzte primär das Erdgeschoss. Aus den beiden ehemaligen Klassensälen wurden zwei Gruppenräume, im Anbau wurden unter anderem Küche, Toiletten und Lager untergebracht. Eine der Lehrerwohnungen im Obergeschoss wurde zum Turnsaal und Veranstaltungsraum umfunktioniert.

Mit der Etablierung der neuen Dorfschule fiel dieser weg, auch das Außengelände wurde nach einigen Jahren vollständig von dieser übernommen. Als Ersatz kam ein neues Außengelände für den Kindergarten jenseits der Dorfstraße zwischen dieser und dem Bach hinzu.

Feuerwehr, Vereine und sonstige[Bearbeiten]

Der ehemalige Feuerwehrtrakt

In den Jahren zwischen ihrer Gründung 1951 und der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses neben der Turnhalle 1985 war auch die Freiwillige Feuerwehr im Schulgebäude untergebracht. Einige Kellerräume auf der linken Gebäudeseite wurden zum Spritzenhaus umgebaut, welches bald mit einer angebauten Garage ergänzt wurden. Dieser Trakt konnte bereits 1952 eingeweiht werden. Vier Jahre später wurde 1956 die erste Sirene auf dem Dach des Schulhauses installiert. Mit der Anschaffung des ersten Feuerwehrautos 1968 wurde die Garage umgebaut und in den bis heute bestehenden Zustand versetzt.

Eingang zum alten Spritzenhaus

Bevor die Gemeinde Weiten Gesäß im Zuge der Gebietsreform 1971 ihre Selbständigkeit verlor war im Dachgeschoss das Standesamt und Bürgermeisterbüro untergebracht. Während der Zeit des Dritten Reiches war auf der Straßenseite, etwa am Ort des heutigen Anschlagskasten der Feuerwehr der örtliche Stürmerkasten aufgehängt. In der Spätphase des 2. Weltkrieges war im Schulhaus zuerst eine Aserbaidschanische Einheit der Wehrmacht später eine Sondereinheit untergebracht. Das Erdgeschoss war lange das Wahllokal des Ortes, auch heute wird es dafür noch genutzt wenn die Turnhalle anderweitig belegt ist.

In der Zeit zwischen der Auflösung der alten Schule 1970 und dem Einzug der Evangelischen Grundschule 1999 wurde die Obergeschosse von örtlichen Vereinen für ihre Treffen genutzt.

Neben dem Schulhaus stand lange die einzige Telefonzelle des Ortes, welche in den 2000er Jahren zuerst stillgelegt und schließlich ganz abgebaut wurde.

In den Frühen 90er Jahren wurde in zwei Kellerräumen auf der Rechten Seite ein für Kurgäste gedachter Leseraum mit Toilette eingerichtet. Dieses Angebot wurde von diesen jedoch nur sehr sporadisch angenommen, stattdessen entwickelte sich der Leseraum in den späten 90er Jahren zu einem Treffpunkt der Dorfjugend. 200X wurde der zunehmend heruntergekommene Leseraum geschlossen, gegenwärtig dient der umgestaltete Raum wieder in dieser Funktion.

Die Tür auf Straßenebene führt zum einstigen Leseraum

Links[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Helmut Loeb: "200 Jahre Schule in Weiten-Gesäß: 1801-2001", Weiten-Gesäß (2001)
  • Wilhelm Hartmann: "Weiten-Gesäß, seine Familien und ihre Häuser", Michelstadt (1992)
  • Daniel Klose: "Exotische Gewächse für den Luftkrieg", in Odenwälder Echo, Ausgabe vom 15. Januar 2013.