Nike Stellung Mainbullau

Aus odenwaldwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Oberhalb des Miltenberger Ortsteils Mainbullau befinden sich, linear entlang einer West-Ost-Achse auf 1.5 km verteilt, die Reste einer Raketenbatterie der US Armee aus der Zeit des Kalten Krieges. Die Anlage wurde von Ende der 50er Jahre bis 1992 auf verschiedenen Weise durch das Militär genutzt. Heute ist das Gelände und die noch vorhandenen Gebäude größtenteils durch die Maxiholz GmbH belegt, welche dort Holzhackschnitzel herstellt. Der Schießstand beim ehemaligen Feuerleitbereich wird von Mitgliedern des Deutschen Jagdschutz-Verband genutzt.


Geschichte[Bearbeiten]

In der zweiten Hälfte der 50er Jahre begannen die US Streitkräfte damit das neu entwickelte Nike Flugabwehrraketensystem auch in Europa zu stationieren, das eine Verteidigung gegen hochfliegende nuklear bestückte Bomber des Warschauer Paktes gewährleisten sollte. Ursprünglich war vorgesehen eine Feuerstellung für, auch mit nuklearem Gefechtskopf bestückbaren, Nike Ajax und später Nike Hercules Raketen, auf dem Höhenzug nahe Vielbrunn und des bereits bestehenden Munitionslagers Hainhaus aufzustellen. Dieser Standort traf allerdings auf Widerstand der lokalen Gremien, primär wegen des Verbrauch an gutem Ackerland. Schließlich wurde ein Waldstück oberhalb von Mainbullau ausgewählt.

Die Anlage bestand aus drei Teilen, hier beschrieben gemäß ihrer Anordnung von West nach Ost. Dem Feuerleitbereich IFC (Integrated Fire Control) mit Radaranlagen auf dem Gipfel des Steinkopfes, dem Wohnbereich mit Kaserne und KFZ Wartungsgebäude und dem Startbereich (Launching Area) direkt benachbart zur Flur von Mainbullau. Dort befanden sich Gebäude zur Wartung der Sprengköpfe und Flugkörper, Bunker zur Lagerung, mehrere Hangars zur Unterbringung der Startwagen und betonierte Abschußflächen. Stationiert war hier die B Batterie des 1st Battalion der 67th Air Defense Artillery Division mit etwa 80 bis 130 Soldaten.

Nach Abzug der Nike Hercules Raketen Mitte 1969 war das Gelände für etwa ein Jahrzehnt unbelegt. Es war allerdings Anfang der 70er Jahre eine zeitlang als QRA (Quick Reaction Alert) Zone, für das mit nuklear Bestückten ballistischen Kurzstreckenraketen des Typs Pershing I ausgerüstete 3rd Bn, 84th FA der 56th Field Artillery Brigade aus Neckarsulm, vorgesehen. Die damalige NATO Bezeichnung lautete "Interim Pershing Site 19".

Als letzter militärischer Nutzer wurde schließlich 1979, parallel zum Ausbau des Munitionslagers Hainhaus, die 2043rd CSG (Ord) (Civilian Support Group Ordnance, Zivilangestellte der US Armee) in Mainbullau stationiert. Die Einheit war für die Handhabung und Wartung der Munition in den Depots Hainhaus (PSP 5J) und Wertheim (PSP 6J) zuständig und nutzte primär die eigentliche Kaserne als Unterkunft. 1992 wurde das Gelände schließlich vom Militär geräumt.

In den 2000er Jahren scheiterte der Versuch im Gebiet des IFC Windkraftanlagen zu errichten.

Links[Bearbeiten]