Munitionslager Hainhaus

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Das US-Munitions-Instandsetzungs-Depot Hainhaus ist ein 74 ha großes ehemaliges Munitionslager der US Streitkräfte aus der Zeit des Kalten Krieges. Heute befindet sich das Gelände im Besitz der Odenwald-Regional-Gesellschaft (OREG), die dort, über ihr Tochterunternehmen Brenergo, einen Park für Grüne Technologien betreibt. Ein Teil der Fläche ist als Lager vermietet. Das Depot liegt im Wald direkt an der L3349 zwischen Vielbrunn und Lützelbach. Seinen Namen erhielt es vom etwas weiter südlich liegenden Römischen Kastell Hainhaus. Auch heute noch, 20 Jahre nach Aufgabe der Anlage durch das Militär, ist es auf offiziellen Karten meist nicht eingezeichnet.


Nutzung[Bearbeiten]

Entstehung und Militärischer Betrieb

Das Munitionslager wurde ab April 1953 von der US Armee, in dem oben beschriebenen, zuvor nicht militärisch genutztem, Waldgebiet angelegt. Dabei handelte es sich um einen Alternativvorschlag lokaler Gremien zu einem ursprünglich auf der Sophienhöhe bei Erbach geplanten Lager. Zunächst wurden 23 Bunker als Munitonslagerhäuser gebaut, Anfang der 80er Jahren wurde die Zahl der Bunker auf dem Gelände in zwei Ausbauschritten um 79 und nochmals 29 auf nun insgesamt 120 erhöht. In den späten 80er Jahren wurden Instandhaltunsgebäude, in welchen die Wartung der Munition erfolgte, hinzugefügt.

Die NATO Bezeichnung des Depots war Prestock Point 5J (PSP 5J). Bei einem Prestock Point handelt es sich um einen Lagerplatz für alle Art konventioneller Munition welche von in den Gebiet operienden Kampfeinheiten benötigt werden. Eine solcher verfügte typischerweise nur über etwa 30 Bunker, das Lager Hainhaus besaß somit eine außergewöhnliche Größe für eine solche Anlage. Es war der in Aschaffenburg stationierten 98th Area Support Group (ASG) angegliedert, jedoch waren auch Mitglieder der 2043rd CSG (Ord) (Civilian Support Group Ordnance, Zivilangestellte der US Armee) dort tätig, welche sich um die Wartung und Handhabung der gelagerten Munition kümmerten. Diese waren in der Kaserne von Mainbullau untergebracht. Neue Muntion wurde per Bahn angeliefert und am Bahnhof Michelstadt auf Lastwagen verladen, die diese dann zum Depot brachten.

Die mit der starken Erweiterung des Depots einhergehende erhöhte Aktivität und die sich gleichzeitig bildende deutsche Friedensbewegung führten dazu das in den 80er Jahren das Munitionsdepot verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet. Die Weigerung von US und Bundesbehörden die Art der gelagerten Munition zu spezifizieren war zusammen mit zahlreichen Zwischenfällen mit Munitionstransportern im Stadtgebiet von Michelstadt Grund zur Besorgnis. Ebenso die, in Zeiten aktiver terroristischer Gruppen, als völlig unzureichend empfundene Bewachung der Anlage mit den langen Anfahrtswegen eventueller Verstärkungstrupps aus den umliegenden US Kasernen. Besonders der Fund eines Sicherheitsdatenblatts mit Radioaktiv Warnzeichen sorgte für Aufregung, was von Seiten der US Streitkräfte mit der Lagerung von panzerbrechender Munition aus abgereichertem Uran erklärt wurde.


Aufgabe durch das Militär und weitere Zivile Nutzung

Nach dem überraschenden Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung setzte sich der Kreistag unter Führung des damaligen Landrats Dr. Nothhardt bei den Übergeordneten Stellen für eine baldige Schließung des überflüssig gewordenen Depots ein. Im Laufe des 2. Golfkrieges wurde bereits 1991 der Großteil der Bestände abtransportiert, am 15.7.1993 erfolgte schließlich die endgültige Räumung und Übergabe des Lagers durch das US Militär.

Bald darauf begann die Firma Pirelli die nun Leerstehenden Bunker anzumieten und als Reifenlager zu nutzen. Am 14.9.2007 kaufte die OREG das Gelände dem zwischen zeitigen Eigentümer Hessen-Forst mit dem Plan dort einen Gewerbepark für grüne Technologien einzurichten ab. Nach einer Änderung des Flächennutzungsplans 2008 konnte dieses Vorhaben umgesetzt werden. Derzeit haben sich außer der Pirelli drei weitere Firmen angesiedelt, auf und im Umfeld des Geländes wurden seit 2007 mehrere Windkraftanlagen und auf Bunker und Gebäudedächern Solaranlagen sowie ein neues Bürogebäude errichtet.

Quellen[Bearbeiten]

  • Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Lange und der Fraktion DIE GRÜNEN, Drucksache 10/4011, 12.11.1985
  • Rainer Kaffenberger: "Die Folgenutzung des Lagers Hainhaus ist geklärt", in odenwaldregional 17., September 2007.
  • Horst Schnur: "Munitionslager Hainhaus", in gelurt 2011, S. 93-105.
  • http://www.usarmygermany.com/

Links[Bearbeiten]