Jüdischer Friedhof von Michelstadt

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Neues Friedhofsgebäude mit Waschbecken zur rituellen Handreinigung an der Seite

Der Jüdische Friedhof von Michelstadt ist seit Jahrhunderten die Begräbnisstädte der jüdischen Gemeinde Michelstadts und zeitweise auch der jüdischen Glaubenskongregationen aus umliegenden Gemeinden. Der Friedhof befindet sich im Osten von Michelstadt auf dem so genannten Judenberg, direkt neben dem Waldstadion. Besonders hervorzuheben ist, dass auf dem Jüdischen Friedhof der Baal-Schem von Michelstadt, Seckel Löb Wormser, begraben liegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der jüdische Friedhof von oben.

Erstmalig wurde der Friedhof ca. um 1700 genutzt, zunächst als gemietete Fläche, ab 1860 im Besitz der jüdischen Gemeinde von Michelstadt. Das älteste katalogisierte Grab ist aus dem Jahre 1738.[1]

Es handelt sich um einen orthodoxen Friedhof, was bedeutet, dass (abgesehen von Überwucherung) dem natürlichen Verfall der Gräber und Grabsteine nicht entgegengewirkt wird.

Aus dem 20. Jahrhundert sind mehrere schwere Grabschändungen bekannt. Am 9. und 10. November 1938 wurden im Zusammenhang mit den antisemitischen Ausschreitungen der „Kristallnachtaktion“ viele der Grabsteine umgestoßen oder zerstört. Eine weitere schwere Schändung erfolgte 1945 durch das Korpsbekleidungsamt, welches auf dem Friedhof Baracken errichtete.

Plakette am Eingang des Friedhofs, auf der die Stifter des Friedhofsgebäudes genannt sind.

Im Zuge der amerikanischen Militärbesatzung wurden die Beschädigungen von 1938 teilweise rückgängig gemacht und Gefängnisstrafen für die Grabschändungen verhängt. Die Beschädigungen waren aber so weitreichend, dass sie bis heute zu sehen sind.

Das Grab des Seckel Löb Wormser im Winter 2010

Quellen[Bearbeiten]

  1. Martin Schmall: Die Juden in Michelstadt Rathaus- und Museumsreihe, Band 5, 5. Auflage 1995